Altersvorsorgereport: Vorsorgelücke von 27.500 Euro pro Bürger!

„Denn eins ist sicher: Die Rente“. Norbert Blüms Wahlslogan aus dem Jahr 1986 ist in Bezug auf die deutschen Rentenkassen die wohl bekannteste Fehlaussage. Die Mehrzahl der Deutschen verließ sich aber jahrzehntelang auf das Versprechen. Doch der Generationsvertrag, der seit den 1950er-Jahren die Altersbezüge der Deutschen sichert, funktioniert aufgrund des demografischen Wandels nicht mehr. Das ignorieren jedoch noch immer zu viele Bürger und sorgen dementsprechend nicht ausreichend für das Alter vor. Der Altersvorsorgereport der Sparda-Bank und des Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin zeichnet demnach für die Altersvorsorge der Bundesbürger ein eher düsteres Bild.

Lange hat das System der staatlichen Rente funktioniert und Einkünfte im Alter garantiert, egal, welchem Beruf man nachging. Und die Deutschen scheinen sich noch immer darauf zu verlassen, das zeigt der aktuelle Altersvorsorgebericht 2014. Denn das Gros der arbeitenden Bevölkerung kennt weder die eigenen Rentenansprüche, noch sorgen sie ausreichend für später vor. Vielen Bürgern droht daher mit Eintritt in das Rentenalter das Existenzminimum. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft damit weiter auseinander, sodass ein Generationskonflikt zur Rentenhöhe folgen könnte. Doch die Analyse der Vorsorgesituation, die die Sparda-Bank in Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule Berlin zum dritten Mal durchführte, gibt auch positive Aussichten. Denn gerade die junge Generation hat das Problem erkannt. Gerade diese Gruppe hat noch ausreichend Zeit sich um die eigene Altersversorgung zu kümmern.

Möglichkeiten zur Altersvorsorge fehlen

Die Hälfte aller Deutschen hat Angst, dass sie später einmal in Altersarmut leben müssen, so die Studie. Über 80 Prozent wissen, dass nur die private Vorsorge das verhindern kann. Dennoch fehlt es nicht nur am Interesse der Bürger, sich dem Thema zuzuwenden, sondern vor allem die Möglichkeiten dazu. Viele haben schlichtweg kein Geld übrig, um monatlich etwas davon beiseitelegen zu können. Rund 75 Prozent der Werktätigen sind davon betroffen, bei den Arbeitern sind es sogar 81 Prozent. Somit sind auch nur rund 27 Prozent bereit, ihren derzeitigen Lebensstandard zugunsten der Altersvorsorge einzuschränken. Der Drang, das Thema daher zu ignorieren, ist erschreckend groß. Nicht einmal die Hälfte der Deutschen kennt ihre tatsächlichen Rentenansprüche, 26 Prozent verweigern sich dem Thema vollends.

Sparverhalten ist mangelhaft

So schlecht wie die Möglichkeiten zur Altersvorsorge, ist dementsprechend auch das tatsächliche Sparverhalten. Gewünschte Rücklagen bis zum Renteneintritt und monatliche Einzahlungen verraten, dass vielen Sparern eine enorme Überraschung beim Austritt aus dem Berufsleben bevorsteht. Denn im Durchschnitt planen die Bürger mit einem Ansparbetrag von über 96.000 Euro, zahlen hierfür aber nur rund 180 Euro im Monat. Geht man von einem Sparzeitraum von 21 Jahren und einem sehr hoch angesetzten Zinssatz von 4 Prozent aus, so können allerdings nur ca. 68.500 Euro erwartet werden. Es fehlen also 27.500 Euro!

Das Sparverhalten der einzelnen Berufsgruppen unterscheidet sich dabei bedeutend voneinander. Während selbstständige Handwerker (durchschnittlich 133 Euro/ Monat) und Arbeiter (durchschnittlich 156 Euro/ Monat) am wenigsten für die Altersvorsorge tun, führen Freiberufler (durchschnittlich 400 Euro/ Monat) die Liste an. Diese zahlen aber in der Regel nicht in die gesetzliche Rentenkasse ein und bilden damit eine Ausnahme. Vorbildlich sind hingegen Familien mit Kindern. Sie legen mit durchschnittlich 196 Euro/ Monat (Familien mit 3 oder mehr Kindern 178 Euro/ Monat) deutlich mehr Geld zurück als Kinderlose mit 157 Euro/ Monat. Kinderreiche Familien sind damit auch optimistischer, was ihre Zukunft angeht als diejenigen, die keine Kinder haben. Der Grund hierfür liegt in der Altersstruktur, da Kinderlose meistens jünger sind und daher ein niedrigeres Einkommen zur Verfügung haben.

Vorsorgelücke wird durch Abbruch und Aussetzung größer

Selbst diejenigen, die für das Alter vorsorgen, sind vor späteren Engpässen nicht gefeit. Denn fast ein Drittel aller Altersvorsorgeprodukte werden vorzeitig abgebrochen oder ausgesetzt. Hauptgrund ist hierfür, neben der Tatsache, dass die Produkte als unrentabel empfunden werden (z.B. bei Lebenspolicen mit niedrigem Garantiezins), vor allem Geldmangel. Auch hier sind besonders Bürger der unteren Einkommensschichten betroffen, die sich oftmals wegen plötzlicher Arbeitslosigkeit oder finanziellen Engpässen zu diesem Schritt veranlasst sehen.

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