Dispozinsen werden ein wenig günstiger

Die Europäische Zentralbank hatte am 5. Juni einen bis dato einmaligen Schritt gewagt. Sie kürzte nicht nur den Leitzins auf 0,15 Prozent zusammen, sondern senkte auch den Einlagenzins auf unter null und erhob damit de facto Gebühren fürs Geldanlegen. Die erneute Zinskorrektur der EZB nehmen nun die ersten privaten Kreditinstitute zum Anlass und senken ihrerseits die Zinsen für Kontoüberziehungen. Doch obwohl sich die Banken nun frisches Geld fast zum Nulltarif leihen können, fallen die Dispozinssenkungen äußerst mager aus. Die meisten Banken wollen gerade einmal 0,1 Prozent weniger für die Überziehung eines Girokontos verlangen und erheben damit noch immer Zinssätze im zweistelligen Prozentbereich.

Wie erwartet, senkte die EZB die Zinsen zuletzt auf ein historisches Rekordtief, Geld ist damit so billig wie noch nie. Die Kreditinstitute adaptieren zwar in der Regel die Zinsentwicklungen, die anfallenden Zinsen für Kontoüberziehungen bleiben aber auf einem enorm hohen Niveau und damit bei Verbraucherschützern überaus umstritten. Die Stiftung Warentest wies schon im vergangenen September darauf hin, dass die Kreditinstitute vor allem auf dem Land, wo ein Kontowechsel für Bankkunden mangels Alternativen sehr schwierig ist, sehr oft über 13 Prozent Dispozinsen verlangen. Die Banken weisen diese Kritik allerdings von sich und rechtfertigen die hohen Gebühren mit der Flexibilität und dem Zweck des Dispokredits.

Bisherige Zinssenkungen

Die Bild-Zeitung befragte verschiedene Geldinstitute nach den Dispozinsen und stellte so fest, dass die Deutsche Bank, die Berliner Bank und die Postbank ihre Gebühren um jeweils 0,1 Prozent auf 11,8, beziehungsweise 11,95 Prozent reduzieren. Lediglich die Commerzbank macht mit einer Absenkung von 11,9 auf 11,4 Prozent größere Schritte, allerdings gelten diese Konditionen nur für Neukunden. Auch die Targobank und die Norisbank kündigte ähnliche Maßnahmen ab dem 1. Juli an, konkretisierten diese aber nicht. Bankkunden können aber grundsätzlich davon ausgehen, dass auch die restlichen Geldhäuser folgen werden, denn die Rufe nach günstigeren Dispokonditionen werden lauter.

Dispozinssenkungen als „schlechter Witz“?

Kritik an den hohen Dispozinsen gibt es schon lange, jetzt wurde sie noch einmal deutlicher. Vor allem Verbraucherschützer und Opposition beklagen die Untätigkeit der Banken. So ist Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zum Beispiel der Ansicht, dass die Dispozinsen völlig unbegründet und überhöht sind:

„Eine Senkung des Dispozinses um 0,1 Prozent hilft Verbrauchern nicht weiter. Der Dispozins ist grundsätzlich überhöht und hat mit gängigen Marktzinsen nichts zu tun. Es fehlt an Wettbewerb und damit an Nachfragedruck.“

Eine Lösung des Problems sieht die Leiterin des Teams Finanzen beim vzbv nur in der Einführung einer gesetzlichen Zins-Obergrenze, so wie bereits im vergangen Mai von der Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder gefordert.

Auch die verbraucherpolitischen Sprecher der Linken und der Grünen äußern sich ähnlich. Sie sehen in den Dispozinsen lediglich eine Methode, um Gebühren abzuzocken, und das meistens auf Kosten der ärmsten Kunden. Die Minizinssenkungen der Kreditinstitute seien daher nur ein „schlechter Witz“. Selbst die mitregierende SPD hatte sich für eine Deckelung des Zinssatzes bei Kontoüberziehung starkgemacht, vor allem die CDU wehrt sich aber bislang erfolgreich gegen eine entsprechende Gesetzesinitiative.

Geldinstitute verweisen auf höheren Aufwand und Zweck des Dispos

Die Vertreter der Banken sehen sich hingegen im Recht. Denn im Gegensatz zu anderen Kreditarten komme man beim Dispokredit schnell, unbürokratisch und vor allem einfach an das Geld. Der Dispo sollte demnach nur kurzfristig finanzielle Engpässe überbrücken. Für längere Zeiträume empfiehlt der Bankenverband eine Beratung bei der Hausbank und gegebenenfalls eine Umschuldung.

„Ist jedoch ein größerer Geldbetrag für längere Zeit notwendig, oder befindet man sich am Monatsende permanent im Dispo, sollte man mit seinem Bankberater möglichst früh über Alternativen sprechen“,

so die Mitteilung des Bundesverbandes deutscher Banken.

Außerdem seien die Dispozinsen in den vergangenen Jahren ohnehin geschrumpft. Während die Stiftung Warentest durchschnittliche 11,31 Prozent Zinsen für die Kontoüberziehung angibt, spricht der Bankenverband von lediglich 9,29 Prozent. Dies sei der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Zudem sei auch der Dispositionskredit für die Banken aufwendiger, da sie dazu verpflichtet sind, den Kreditbetrag zurückzuhalten.

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