Kommt der Negativzins? EZB will Geld fürs Sparen

Geld sparen und dafür bezahlen müssen? Klingt absurd, könnte aber bald so kommen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) denkt offenbar neben einer weiteren Absenkung des Leitzinses auch über einen negativen Einlagenzins nach. Das würde bedeuten, dass Banken, die Kapital bei der EZB zurücklegen, Gebühren dafür zahlen müssten. Der Grund für die weitere Reduzierung der Zinssätze liegt in der weiterhin schwachen Inflation und der lahmenden europäischen Wirtschaft. Die EZB hofft mit diesen Maßnahmen Anreize für die Banken zu schaffen, dass diese ihr Kapital wieder verstärkt Unternehmen für Investitionen bereitstellen und der Geldfluss somit wieder angekurbelt wird.

Die Zinsen der Zentralbanken sind schon seit geraumer Zeit im Keller. Was Kreditnehmer freut, ärgert die breite Masse der Sparer. Denn sie erhalten kaum noch verlockende Zinsen auf ihre Einlagen. Und die Vorzeichen verdichten sich, dass sich das Geldsparen bald überhaupt nicht mehr lohnt. Die EZB will laut „Der Spiegel“ im Juni sowohl Leitzins, der momentan bei 0,25 Prozent liegt, als auch Einlagenzins, der bereits bei 0,00 Prozent ist, auf 0,15 Prozent beziehungsweise auf minus 0,1 Prozent drücken. Da die Banken Zinsentwicklungen an die Kunden weitergeben, muss damit gerechnet werden, dass beim konservativen Sparen mittels Festgeldkonto oder Sparbuch die zu erwartenden Zinsen nicht mehr die Inflationsrate übertreffen.

Warum fallen die Zinssätze?

Die wichtigste Funktion der Europäischen Zentralbank ist die Garantie der Preisstabilität. Hierfür stehen der EZB mehrere geldpolitische Instrumente zur Verfügung. Zu den wichtigsten Steuerungsmaßnahmen gehören der

  • Hauptrefinanzierungssatz (Leitzins) und
  • der Einlagensatz.

Der europäischen Wirtschaft droht derzeit eine Deflation, Waren und Dienstleistungen verteuern sich gar nicht oder kaum noch. Dabei ist eine schwache Inflation von rund zwei Prozent wirtschaftlich gesund. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, muss frisches Geld in den Wirtschaftskreislauf gepumpt werden. Indem die EZB die Zinssätze und damit die Anreize zum Geldanlegen senkt, sollen Banken und Verbraucher wieder zum Investieren animiert werden.

Allerdings hat die EZB bisher keine Erfahrungen mit Negativzinsen gemacht, das Resultat ist daher völlig offen. Finanzexperten befürchten sogar, dass die Geschäftsbanken die Gebühren für das Geldparken einfach an die Bankkunden weitergeben. Sollte die Zentralbank dieses Vorhaben also tatsächlich in die Tat umsetzen, so kann man davon ausgehen, dass die EZB nicht mehr allzu viele Maßnahmen zur Preisstabilität in der Hinterhand hat. Auf umfangreiche Anleihenkäufe, wie zuletzt von Wirtschaftsweise Peter Bofinger gefordert, will die EZB aber zunächst verzichten.

Was bedeutet das für Sparer?

Für Sparer, die ihr Geld fest angelegt haben, werden die Zeiten noch schwerer als sie es ohnehin schon sind. Wer sein Geld ausschließlich sicher anlegen will, sollte daher noch vor der nächsten EZB-Ratssitzung am 5. Juni ein Festgeldkonto eröffnen. Denn der Zinssatz ist dann garantiert und wird nicht gesenkt. Wer höhere Renditen will, wird aber zukünftig auf Sicherheit weitgehend verzichten müssen. Denn hierfür kommen nur noch Fonds und Aktien infrage.

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