Lebenspolicen am Ende? Garantiezins soll 2015 auf 1,25 % sinken

Die Lebensversicherung ist die beliebteste Altersvorsorge der Deutschen. Sie gilt als sicher, stabil und planbar. Doch das könnte sich bald ändern, denn aufgrund der Zinspolitik der Zentralbanken senken die Versicherungsunternehmen den Höchstrechnungszins, also den garantierten Zinssatz der Vertragslaufzeit, ihrer Versicherungspolicen immer weiter. Derzeit können Versicherungsnehmer, die eine Lebensversicherung neu abschließen, noch mit einem Zins von 1,75 % rechnen, bald könnte dieser allerdings auf 1,25 % abrutschen. Die garantierte Rendite läge dann kaum noch über der Inflationsrate. Die Lebenspolice wird daher als Altersvorsorge zunehmend unattraktiver.

Bekamen die deutschen Sparer Mitte der 1990er Jahre noch 4,0 % Zinsen auf ihre Altersvorsorge, sind es heute 2,25 % weniger. Grund hierfür sind die niedrigen Leitzinsen der Zentralbanken und die daraus resultierenden Niedrigzinsen der Banken. Versicherungsunternehmen fällt es daher immer schwerer, Kapital gewinnbringend und sicher am Finanzmarkt anzulegen. Vor allem kleinere Versicherungsunternehmen bestehen deshalb auf die Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 1,25 %, so wie es die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), die Vereinigung von Versicherungsmathematikern, nun empfahl. Lediglich größere Versicherungsgesellschaften wie die Allianz, Alte Leipziger oder Ergo wollen am derzeitigen Garantiezins von 1,75 % festhalten, da sie auf höhere Reserven zurückgreifen können.

Schwierige Finanzmarktsituation für Lebensversicherer

Inhaber einer Lebensversicherungspolice erhalten aber nicht nur den genannten Garantiezins, sondern auch einen Schlussüberschuss, einen Anteil an den Bewertungsreserven und eine Überschussbeteiligung, deren Höhe sich am Erfolg der jeweiligen Anlagepolitik der Versicherer orientiert. Doch auch deren Höhe nimmt wegen der Zinsflaute kontinuierlich ab. Zudem haben die Versicherungsgesellschaften zunehmend Schwierigkeiten, die garantierten Zinsen älterer Policen zu finanzieren. Die einschneidende Empfehlung der DAV, den Höchstrechnungszins für Neukunden ab dem Jahr 2015 auf 1,25 % zu senken, scheint für viele Versicherer daher unvermeidbar.

Sollte sich die Zinssituation am Kapitalmarkt aber kurzfristig bessern, würden sich die Versicherungsmathematiker der DAV allerdings mit einer weniger starken Reduzierung des garantierten Zinses begnügen. Daher kündigte die Deutsche Aktuarvereinigung ebenfalls an,

„die weitere Zinsentwicklung genau zu beobachten und darauf basierend die jetzige Empfehlung im Laufe des Jahres 2014 noch einmal zu überprüfen und sie bei einer Veränderung der Rahmenbedingungen für die langfristigen Kapitalmarktzinsen ggf. auch zu revidieren“.

Kritik an der Empfehlung der DAV

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) äußerte sich umgehend nach dem Bekanntwerden der Empfehlung der DAV zu den Plänen. Demnach sei man zwar über den Vorschlag nicht „überrascht“, eine Reduzierung zum 01.01.2015 sei allerdings „übereilt“. Denn die Zinsentwicklung sei volatil und in den USA scheine sich zudem eine straffere Zinspolitik anzukündigen. Die Anreize, privat für das Alter vorzusorgen, würden außerdem deutlich gemindert werden. Ferner hatte aber auch der Gesetzgeber bereits angekündigt, den Versicherungsgesellschaften zum Beispiel im Rahmen von Solvency II unter die Arme zu greifen.

Auch Verbraucherschützer sind skeptisch und wittern hinter den Vorhaben lediglich das Kalkül, von den klassischen Tarifen wegzukommen und zukünftig weniger Zinsen garantieren zu müssen. Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV), warnte in der Berliner Zeitung sogar:

„Wenn die Empfehlung umgesetzt wird und der Garantiezins auf 1,25 % gesenkt wird, dann ist das der Abschied vom bisherigen deutschen System der Lebensversicherung, wie wir es seit 100 Jahren kennen.“

Lebensversicherungen werden unattraktiver

Die Folgen der sinkenden Erträge zeichnen sich schon seit langem ab, denn die Zahl der Neuverträge fällt. Im Geschäftsjahr 2012 wurden 3,4 % weniger Verträge abgeschlossen als noch im Vorjahr. Denn Leistungen und Wertverlust gleichen sich laut Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg aus. Die Produkte würde er daher nicht mehr empfehlen, so Nauhaus.

Von der Kündigung laufender Verträge raten viele Experten allerdings ab. Denn bei diesen gelten nach wie vor die alten Zinssätze. Wer also noch eine Lebenspolice mit einem Garantiezins von 2,75 % oder sogar 4 % hat, sollte unbedingt an dieser festhalten, denn derartig hohe Renditen bekommt man bei anderen festverzinslichen Anlagen derzeit nirgends.

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