Schufa Scoring-Verfahren bleibt geheim – BGH weist Klage ab

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Die Schufa muss ihr Verfahren zur Berechnung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern nicht preisgeben. Wie genau die Bonität von Privatpersonen berechnet wird, bleibt damit weiterhin geheim, entschieden nun die Richter des Bundesgerichtshofs (BGH).

Im konkreten Fall klagte eine 54-jährige Hessin in dritter Instanz gegen die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa), da das Unternehmen ihr die genaue Auskunft über die Berechnung ihrer Daten verweigerte. Ein Kredit war ihr aufgrund einer Verwechslung verweigert worden. Die Schufa bewertete ihre Erfüllungswahrscheinlichkeit gegenüber Banken lediglich mit 92,9 von 100 Punkten, laut Schufa-Score kein besonders guter Wert. Dabei lagen dem Unternehmen keine konkreten Daten über die Frau vor, weshalb ihre Bonität auf Grundlage einer Vergleichsgruppe eingeschätzt wurde. Über den Rechtsweg wollte sie daher nun mehr Transparenz bei den Berechnungen einfordern. Die Wirtschaftsauskunftei argumentiert hingegen, dass die genaue Formel zur Berechnung der Kreditwürdigkeit Unternehmensgeheimnis sei, und, dass alle Informationen, die laut Gesetzgebung an die Auskunftssuchenden herausgegeben werden müssen, der Klägerin auch mitgeteilt wurden.

Das Schufa-Scoring-Verfahren

Die Schufa hat eine lange Tradition. Bereits 1927 wurde die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung zum Zweck der Einschätzung von Zahlungsverhalten in Berlin gegründet. Heute sind rund 66,2 Mio. Bürger und 4 Mio. Unternehmen bei der Wirtschaftsauskunftei erfasst. Ca. 8000 Firmen sind derzeit bei der Schufa registriert und haben somit die Möglichkeit, die Kreditwürdigkeit einer Person abzufragen. Das Ziel dieser Abfragen ist, das Risiko des Zahlungsausfalls bzw. -rückstands bei Krediten oder Ratenzahlungen zu minimieren. Online-Zahlungen oder Finanzierungen wären ohne diese Bonitätsabfragen nicht möglich.

Um die Kreditwürdigkeit einer Person einschätzen zu können, berechnet die Schufa Wahrscheinlichkeiten nach einem festgelegten Scoring-Verfahren. Nach welcher Formel das genau geschieht, ist und bleibt geheim. Bekannt ist lediglich, welche Faktoren bei der Berechnung berücksichtigt werden. Hierzu zählen u.a.

  • Geburtsdatum,
  • Adresse,
  • Kreditaktivitäten,
  • bisherige Zahlungsausfälle oder -rückstände,
  • Insolvenzen und auch
  • Schufa-Auskünfte, die als Kreditanfragen gestellt werden.

Auf Grundlage dieser Informationen wird ein Score-Wert zwischen 1 und 100 ermittelt, der die Möglichkeit eines Zahlungsausfalles widerspiegeln soll. Je niedriger der Wert, desto schlechter die Bonität.

Kritik an der Intransparenz

Dass die Schufa ihr Geschäftsgeheimnis schützen will, ist logisch, denn schließlich verdient sie mit den Bewertungen ihr Geld. Wird das Verfahren preisgegeben, verliert die Auskunftei das Monopol auf Bonitätsbewertungen. Doch Verbraucher- und Datenschützer kritisieren diese Intransparenz schon seit Langem. Denn welche Daten die Schufa genau heranzieht und ob diese korrekt sind, weiß nur das Unternehmen selbst. Die Fachzeitung Finanztest belegte bei einer Untersuchung zur Selbstauskunft bei der Schufa im vergangenen Jahr, dass lediglich 11 von 89 Testern vollständige und korrekte Auskünfte erhielten. Bei den restlichen waren Daten fehlerhaft, unvollständig oder veraltet.

Außerdem werden, wie im oben genannten Streitfall geschehen, alle Personen einer Vergleichsgruppe zugeordnet. Erhält ein Verbraucher aus dieser Gruppe eine negative Bonität, hat das Auswirkungen auf die ganze Gruppe. Die eigene Kreditwürdigkeit kann also aufgrund von Verfehlungen anderer negativ beeinflusst werden, warnt z.B. die Verbraucherzentrale Hamburg. Das Scoring-Verfahren gibt daher nicht die tatsächliche Bonität wieder, sondern sei lediglich „statistisches Vorurteil“, so Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein.

Was tun gegen schlechte Bonitätsbewertung?

Grundsätzlich haben alle Verbraucher nach § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes das Recht, ihren Schufa-Score einzusehen und zu erfahren, wie dieser kalkuliert wird. Dort heißt es in Absatz 1:

„Die verantwortliche Stelle hat dem Betroffenen auf Verlangen Auskunft zu erteilen über
1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen,
2. den Empfänger oder die Kategorien von Empfängern, an die Daten weitergegeben werden, und
3. den Zweck der Speicherung.“

Dass dieses Recht allerdings nicht die Preisgabe der Berechnungsformel beinhaltet, stellten die BGH-Richter nun klar.

Verbraucherschützer raten dennoch, regelmäßig Auskünfte über die eigene Bonität einzuholen. Nur so hat man die offizielle Bewertung der eigenen Kreditwürdigkeit im Blick und kann gegebenenfalls nachsteuern. Einmal im Jahr darf jeder Bürger seinen Score kostenlos abrufen. Aber Achtung! Hierbei muss auf die Anfrageart geachtet werden. Denn die Schufa bietet die Auskunft als Kreditanfrage oder als Konditionsanfrage an. Erstere beeinflusst selbst das Scoring.

Wird festgestellt, dass der eigene Datensatz bei der Schufa unvollständig oder fehlerhaft ist, so hat man selbstverständlich das Recht auf Korrektur. Hierzu genügt ein formloses Schreiben an das Unternehmen. Sobald Einspruch erhoben wurde, darf die Schufa bis zur Berichtigung keine Daten herausgeben. Den eigenen Score tatsächlich beeinflussen kann man allerdings nicht, dafür hätte das BGH-Urteil anders ausfallen müssen.

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